Die Frauen*-Matinée in Wien : Ein alter Brauch in neuer Form
– Fanzine Launch – Clitoria Sunrise Cocktail Bar – Martial Arts – Open Buffet – Poetry – Comedy – Music – DanceAna Castro Villegas, Anela Čindrak, Band.Nagme, Deshire Kurtaj, Eber*innen, Iris Dlabaja, Gema Puspa Nusantara, Isabelle Mayer, Kiiwi, Kitana Project, La Washa, Mark Gerstorfer, Miriam Langenberger, Miss Clit, Neneh Muhr, Sezer Dilan Zırhlı, soulparlez, Stay Hungry, Susa Siebel, Veronika Biebl, Viktoria Ratasich und YIELU
Moderation: Flona & Iva MarkovicVenue: In collaboration with Kulturhaus Brotfabrik // Absberggasse 27, 1100 Wien, Austria
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Am 25. Oktober 2025 verwandelte sich der Ankersaal im Kulturhaus Brotfabrik in einen Ort der Begegnung, der künstlerischen Vielfalt und der kollektiven Feier weiblicher Perspektiven: die Frauen*-Matinée. Inspiriert von einem in der Türkei der 1960er-Jahre entstandenen kulturellen Phänomen wurde das Format in Wien neu gedacht und in einen zeitgenössischen, transnationalen Kontext überführt. Mit einem abwechslungsreichen Programm aus Poesie, Tanz, Performance, Musik und Kampfkunst brachte die Matinée Künstler*innen und queere Positionen aus unterschiedlichen Kulturen zusammen. Ziel war es, einen Raum zu schaffen, in dem Frauen* frei, solidarisch und jenseits gesellschaftlicher Einschränkungen miteinander feiern und künstlerisch tätig sein konnten.
Historischer Hintergrund: Die Wurzeln der Frauen*-Matinée
Die Frauen-Matinée hat ihre Ursprünge im Istanbul der 1960er Jahre. Damals dominierten Männer die Nachtclub- und Gazino-Kultur: berühmte Sänger, Musiker und ein männliches Stammpublikum prägten das Nachtleben. Frauen hatten es hingegen schwer, Zugang zu dieser Form der Unterhaltung zu finden – gesellschaftliche Normen und praktische Hürden verhinderten oft ihre Teilhabe. Als Reaktion darauf etablierten einige Clubs ein neues Angebot: einmal pro Woche öffneten sie tagsüber exklusiv für Frauen*. Dieses Konzept erwies sich als revolutionär. Zum ersten Mal erhielten Frauen die Möglichkeit, mit ihren Kindern an kulturellen Veranstaltungen teilzunehmen. Auch wer abends nicht ausgehen konnte, fand in den Matinéen einen sicheren, zugänglichen Rahmen. Hinzu kamen erschwinglichere Eintrittspreise sowie die Option, eigenes Essen mitzubringen – Aspekte, die den Frauen eine selbstbestimmtere Teilhabe am städtischen Kulturleben ermöglichten.
Die Frauen-Matinée fand schnell großen Anklang und entwickelte sich zu einem wichtigen Teil der urbanen Populärkultur. Besonders prägend war, dass auf den Bühnen nicht nur etablierte Künstler*innen, sondern auch queere Performer*innen auftraten. Damit entstand ein Freiraum der Vielfalt, in dem Frauen* nicht nur Zuschauende, sondern aktiv Gestaltende einer neuen Kulturpraxis wurden.
Die Wiener Ausgabe 2025:
Die diesjährige Matinée in Wien knüpfte an diese Geschichte an und versetzte sie in einen transkulturellen, zeitgenössischen Kontext. Unter dem Motto „Tradition neu denken – Vielfalt feiern“ standen literarische, performative und musikalische Beiträge im Mittelpunkt. Die Frauen-Matinée: Kulturpolitische Bedeutung* Die Frauen*-Matinée verstand sich nicht nur als Unterhaltungsformat, sondern war eine politisch-kulturelle Praxis. Sie setzte ein Zeichen gegen Ausschlüsse, die Frauen und queere Personen bis heute erfahren. In Wien – einer Stadt mit reicher, aber oft exklusiver Kulturgeschichte – öffnete die Matinée bewusst Räume für Migrantinnen, Künstlerinnen aus subkulturellen Szenen und intersektionale Perspektiven. Gerade in Zeiten zunehmender gesellschaftlicher Polarisierung war es wichtig, Solidarität und gemeinsame Erlebnisse in den Mittelpunkt zu stellen. Die Frauen*-Matinée zeigte, wie Traditionen nicht museal konserviert, sondern lebendig transformiert werden konnten. Sie war eine Einladung, Geschichte neu zu erzählen, Grenzen zu überschreiten und Gemeinschaft zu leben. Sie verband das Erbe eines traditionsreichen Formats mit zeitgenössischen künstlerischen Ausdrucksformen und schuf ein empowerndes Erlebnis für alle Beteiligten und Besucher*innen.




