„Von Gästen zu Gastgebenden” – Wer schreibt unsere Geschichten?
Um wen geht es in unserem Geschichtsunterricht? Wer schreibt unsere Geschichte? Wessen Geschichten werden erzählt und welche nicht? Wenn wir von UNSERER Geschichte in Österreich sprechen, welches UNS ist dann hier gemeint und welches wird außer Acht gelassen.
Der Discourse Day der Muslim*Contemporary beschäftigt sich mit den Geschichten vieler Menschen, die in Österreich leben, hierher migriert, geflohen, gezogen oder als Gastarbeiter:innen gekommen sind, und deren Geschichten noch immer nicht erzählt oder als Teil der österreichischen Geschichte gesehen werden.
Welche Geschichten sind das? Warum kämpfen Menschen noch immer dafür, dass ihre Geschichten Teil der Gesellschaft sind? Braucht es für diese Geschichtsschreibung extra Räume oder müssen sie in vorhandenen Räumen inkludiert werden? Welche Rolle spielen Kunst, Kulturvermittlung, Literatur, Archive und weitere Bereiche unserer Gesellschaft?
Das und mehr behandeln wir im Rahmen von zwei Keynotes, einer Lesung und einem Panel beim Discourse Day „Von Gästen zu Gastgebenden” – Wer schreibt unsere Geschichten?’ im Volkskundemuseum mit:
- Keynotes: Amani Abuzahra (Philosophin, Autorin) und Araba Evelyn Johnston-Arthur (Sozialwissenschaftlerin, Kuratorin)
- Lesung: Amina Kurbanova – An manchen Tagen
- Panel: Jessica Beer (Literaturwissenschaftlerin, Lektorin, Übersetzerin), Araba Evelyn Johnston-Arthur (Direktion – Museum der Migration) , Vida Bakondy (Historikerin & Ausstellungskuratorin), Fatih Özcelik (Kulturvermittlung – Vorarlberg Museum)
- Moderation: Adis Šerifović (Autor)
Amani Abuzahra
Amani Abuzahra ist eine promovierte Philosophin, Autorin und Public Speaker. Sie ist eine der bekanntesten Referent:innen zum Thema antimuslimischer Rassismus. Ihr aktuelles Buch „Ein Ort namens Wut. Die emotionale Landkarte der Marginalisierten und was Rassismus mit Gefühlen macht“ behandelt das Thema Emotionen, Rassismus und wie Wut zur Veränderung führen kann. Ob im TV, auf Konferenzen, in ihren Publikationen oder in der Community-Arbeit: Ihr Ansatz ist es, zu dekonstruieren und Menschen zu empowern. Ihre Forschungs- und Vortragstätigkeiten führten sie u.a. in die USA, nach Finnland, Italien, in die Schweiz, nach Deutschland sowie an die Universitäten Istanbul und Eskişehir. Aktuell forscht sie als postdoctoral researcher an der Sigmund Freud Privatuniversität Wien.
Araba Evelyn Johnston-Arthur
Araba Evelyn Johnston-Arthur ist eine Menschenrechtsaktivistin, Sozialwissenschaftlerin, Kuratorin und Schauspielerin. Als Mitbegründerin von Pamoja, einer Bewegung der jungen afrikanischen Diaspora, und der Recherchegruppe zur Schwarzen österreichischen Geschichte hat sie sich in Wien als Community- und Kulturarbeiterin sowie als rassismuskritische Aktivistin engagiert. Im Jahr 1999 war sie aktives Mitglied im Network of African Communities und setzte sich für die Mobilisierung von Gemeinschaftsprotesten gegen institutionellen Rassismus und Polizeigewalt in Wien ein. Ihre transdisziplinäre Arbeit widmet sich intersektional widerständigen diasporischen Politiken und der „decolonizing art of mattering (embodied) memories”. Derzeit lehrt sie an der Howard University in Washington DC.
Panel:
Jessica Beer
Jessica Beer hat Literaturwissenschaft und Philosophie studiert und lebt in Wien als Lektorin, Übersetzerin und Lehrende in Schreibwerkstätten. Seit 2013 ist sie Programmleiterin für Literatur im Residenz Verlag, von 2003-2013 verantwortlich für das Veranstaltungsprogramm der Hauptbücherei in Wien, davor an der Akademie der bildenden Künste Wien. Außerdem hat sie Minderheiten-politisches Engagement überall dort, wo es um Lesen, Schreiben und Narrationen aller Art geht, so auch als Vorstandsmitglied und in zahlreichen Projekten der Initiative Minderheiten (https://initiative.minderheiten.at/). Schwerpunkt ihrer Arbeit sind die Sprachverhältnisse von Mehrsprachigkeit und der Migrationsgesellschaft.
Fatih Özcelik
Fatih Özcelik ist aus Dornbirn, hat Wirtschaft studiert und macht aktuell einen Master in eEducation – Digitale Bildung an der Uni Krems. Seit 10 Jahren arbeitet er im vorarlberg museum und konzentriert sich dabei auf Vernetzungs- und Vermittlungsprojekte. Seine Interessen reichen von Migrationsgeschichte und Generationendialogen bis hin zu Forschungskooperationen und der Digitalisierung von Museen.
Vida Bakondy
Vida Bakondy arbeitet als Historikerin und Ausstellungskuratorin in Wien. Sie ist derzeit wissenschaftliche Mitarbeiterin am Forschungsbereich Balkanforschung der ÖAW. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Migration und Exil, Visual Studies (Schwerpunkt: Fotografie), Nachgeschichte des Nationalsozialismus und Österreichische Zeitgeschichte. Sie war an zahlreichen Projekten zur Historisierung und Musealisierung der österreichischen Migrationsgeschichte beteiligt. Bakondy ist Kuratorin der Ausstellung Geteilte Geschichte. Viyana – Beč – Wien (2017, Wien Museum) gemeinsam mit Gerhard Milchram, und Nach der Flucht – Aus Ex-Jugoslawien nach Wien (2020, Hauptbücherei am Gürtel), gemeinsam mit Amila Širbegović. Publikationen u.a.: Montagen der Vergangenheit. Flucht, Exil und Holocaust in den Fotoalben der Wiener Hakoah-Schwimmerin Fritzi Löwy, Göttingen: Wallstein 2017; Schere, Topf, Papier. Objekte zur Migrationsgeschichte, Wien: Mandelbaum 2016 [gem. mit A. Akkılıç, L. Bratić, R.Wonisch].
